Legacy
Metal.de
Orkus
Zillo

Rezension in Metal.de

Wieviele Veröffentlichungen an nur einem einzigen Tag das Licht der Welt erblicken, lässt sich schwer abschätzen, die Menge wird allerdings erschlagend sein. Der größte Teil dieser Masse ist allerdings völlig unspektakulär, repetitiv, schamlos kopiert, imitiert - schlicht überflüssig - und wird lieblos auf den Markt geschmissen, ohne ein individuelles Profil zu besitzen. Man muss sich nicht schämen, von den Millionen Bands da draußen nur eine Handvoll zu kennen, denn die meisten davon sind der pure Schrott. Wertvoll hingegen sind die Juwelen, die aus dieser Masse hervorstechen und eigenständig gegen alle bestehenden Konventionen agieren. Am seltensten sind jedoch die, die sich selbst durch den Ritterschlag adeln, völlig einzigartig zu sein.
Eine dieser äußerst rar gesäten Bands sind die französisch-österreichischen ELEND, die sich über die Jahre hinweg ihre ganz eigene Nische der extremen Avantgarde Klassik geschaffen haben. Mit "A World In Their Screams" eröffnen sie das opulente Finale des "Winds"-Zyklus, der 2003 mit "Winds Devouring Men" begann. Die Arbeiten am Album haben fast drei Jahre gedauert, und verwandelten das schon seit 2004 in einer ersten Fassung vorliegende Werk in eine überwältigende, reizüberflutende, apokalyptische Orgie orchestralen Wahnsinns. Seit mehr als zehn Jahren kombinieren ELEND klassische Kompositionstechniken mit Elementen moderner, extremer Musikformen, und beschreiten dabei immer radikalere Wege. Die Urgewalt der zwei Vorgänger erfährt nochmals eine Steigerung, beginnt mit zartem Gesang einer zerbrechlichen Frauenstimme, und bricht dann in einem Sturm von Streichern, Pauken und Trompeten - Fanfaren der Hölle - über den Hörer hinweg.
Mehr als 30 Musiker waren an der Vollendung des Album beteiligt, welches die Kraft und Brutalität der Aktionen von HERMANN NITSCH besitzt - ein tosendes, klassisch instrumentiertes Inferno, in das man sich als der Musik ELENDs Verfallener hinabstürzen kann. Viele werden von "A World In Their Screams" abgeschreckt werden, nichts mit dieser alles hinwegreißenden Klangwand anfangen können. ELENDs Musik ist Nischenmusik, auf die sich nur wenige einlassen werden. Das ist gut so. Liebhaber der Band werden das Album mit offenen Armen empfangen. ELEND haben die Extreme gesucht, und sie haben sie gefunden.
Punkte: 9/10 (Beta / 20.04.2007)

direkter link